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Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

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02.04.2012
Heuschnupfen: So ein Spassverderber!

Sobald die Sonne scheint und die Sträucher blühen, lockt es uns wieder nach draussen in die Natur. Doch nicht alle können den Frühling unbeschwert geniessen: Immer mehr Leute sind allergisch auf Pollen. Bei starken Beschwerden sollte man sich beraten lassen. Andrea Söldi

Den Frühling spüren nicht nur wir Menschen, sondern auch die Pflanzen. Bäume, Sträucher und Gräser produzieren zurzeit Blütenstaub. Während die einen geduldig auf Insekten warten, um die männlichen Samenzellen zu den weiblichen Organen der Artgenossen zu bringen, vertrauen andere sie dem Wind an. Doch dieser ist ein ziemlich unzuverlässiges und wenig zielgerichtetes Transportmittel. Die Pflanzen machen dies mit der Produktion riesiger Mengen an Pollen wett. So besteht die Chance, dass wenigstens einige ihr Ziel erreichen. Manchmal ziehen ganze Blütenstaubwolken durch die Lüfte. Sehr zum Leidwesen von Pollenallergikern: Kaum verlassen sie das Haus, beginnen Augen und Nase zu jucken.

Meistens sind es die Gräser
In der Schweiz gibt es rund 3500 Pflanzenarten. Davon lösen lediglich etwa 20 Allergien aus (siehe Tabelle). Die meisten davon gehören den Gräsern an, weshalb die Pollenallergie im Volksmund auch als «Heuschnupfen» bezeichnet wird. Aber auch einige Bäume können allergische Reaktionen auslösen. Ein Grossteil der Allergiker reagiert auf mehrere Arten. Kinder sind selten vor dem dritten Lebensjahr betroffen, meist erst ab dem Schulalter.

Achtung vor Ausbreitung
Pollenallergien sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn sie länger andauern und heftig sind, können auch die unteren Atemwege in Mitleidenschaft gezogen werden. Man spricht von einem «Etagenwechsel». Bronchitis oder Asthma kann sich entwickeln. Bei dauerndem Heuschnupfen droht eine Nebenhöhlenentzündung. Häufig sind auch Kreuzallergien: Mit der Zeit weitet sich die Reaktion auf bestimmte Lebensmittel aus.
Betroffene haben im Prinzip drei Möglichkeiten, mit ihren Beschwerden umzugehen: Kontakt vermeiden, Symptome behandeln und die Reaktion des Immunsystems dämpfen. Alle drei können nach Belieben miteinander kombiniert werden.

Den Plaggeistern ausweichen
Die erste Strategie beruht darauf, sich den allergieauslösenden Stoffen möglichst wenig auszusetzen. Wer nur auf einzelne Pollenarten reagiert, kann diese sehr gezielt umgehen. Wenn jedoch diverse Arten Beschwerden auslösen, kann sich der «Hausarrest» im schlimmsten Fall von Ende Januar bis in den Spätsommer erstrecken. Je nach Temperaturen schickt etwa der Hasel seine Pollen bereits Ende Januar auf die Reise. Diesen milden Winter wurden im sanktgallischen Buchs sogar schon am 29. Dezember erste Erlenpollen gemessen. Der Beifuss wartet manchmal bis im August zu. Mithilfe von Pollenflugkalendern (Seite 23), die jedes Jahr aktualisiert vorliegen, kann man den entsprechenden Plaggeistern ausweichen. Wenn man trotzdem das Haus verlassen muss, schützt man die Augen mit einer Sonnenbrille, die auch an den Rändern möglichst gut abdichtet. Für die Nase gibt es Mittel, die eine Schutzschicht bilden, sodass der Pollen sich nicht auf die Schleimhaut setzen kann oder man spült die Pollen mit Salzlösung weg.
Am Abend ist Kleider wechseln und Haare waschen angesagt, um allfällige Pollen nicht mit ins Bett zu nehmen. Hilfreich können auch Pollenfilter für Fenster, Auto, Klimaanlage und Staubsauger sein. Die Wäsche sollte in der entsprechenden Zeit nicht im Freien getrocknet werden.

Pillen und Tropfen
Die zweite Methode besteht darin, die störenden Symptome zu mindern. Dabei kommt eine Vielzahl an chemischen und pflanzlichen Mitteln infrage. Viele Betroffene setzen auf Antihistamine. Die Medikamente wirken den körpereigenen Histaminen entgegen, welche die Schleimhäute anschwellen und triefen lassen. So will der Organismus die Fremdstoffe loswerden. Antihistamine sind gut wirksam. Der Nachteil ist, dass sie häufig müde machen und die Konzentration mindern. In gewissen Berufen ist die Einnahme von Antihistaminen untersagt. Auch Auto fahren ist nicht ratsam. Es sind jedoch verschiedene Präparate erhältlich, die nicht alle gleich gut vertragen werden. Regelmässiges Spülen mit hypertonischen Lösungen beispielsweise kann die Symptome lindern und den Antihistamin-Gebrauch senken.
Neben den Antihistaminen gibt es zahlreiche Mittel aus der Alternativmedizin. Apotheken verfügen meist über ein breites Sortiment und können Betroffene beraten (siehe Interview).

Körper daran gewöhnen
Die dritte Möglichkeit packt das Übel an der Wurzel. Mit einer Desensibilisierung wird versucht, die Überreaktion des Immunsystems zu entschärfen. Zu Beginn wird geprüft, auf welche Pollenarten der Körper reagiert. Dazu sticht der Allergologe eine kleine Menge von Pollenlösungen in die Haut ein. Der Körper zeigt mit einer Rötung und Schwellung an, auf welche Stoffe er sensibilisiert ist. Darauf werden regelmässig kleinste Dosen der betreffenden Pollenarten gespritzt, um den Körper daran zu gewöhnen und das Immunsystem umzustimulieren.
Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung ist die sublinguale Immuntherapie. Dabei werden täglich Tabletten oder Tropfen mit den entsprechenden Pollen unter die Zunge gegeben. Diese Methode hat den Vorteil, dass sie Betroffene selber ausführen können und ist auch geeignet für Kinder und Personen mit Angst vor Spritzen.

Allergie heilt selten spontan
Wenn man im Herbst mit der Behandlung beginnt, sollte bereits im Frühling darauf eine erste Besserung festzustellen sein. Eine Desensibilisierung erstreckt sich jedoch über drei Jahre. «Damit wir den Patienten zu einer Behandlung raten, müssen drei Jahre lang deutliche oder zunehmende Beschwerden vorliegen», sagt Barbara Ballmer-Weber, leitende Ärztin der Allergiestation am UniversitätsSpital Zürich. Bei 80 Prozent der Patienten führe die Behandlung zu einer deutlichen Verbesserung.
Zu einer Desensibilisierung rät die Professorin vor allem, wenn zusätzlich asthmatische Beschwerden vorliegen. Doch auch bei starkem Heuschnupfen empfiehlt sie die Massnahme: «Die Lebensqualität ist stark vermindert.» Bei Kindern sei die Aufmerksamkeit in der Schule eingeschränkt. Kinder können ab dem sechsten Lebensjahr behandelt werden. Früher hätten sich Allergien mit der Adoleszenz manchmal von selber ausgewachsen, sagt Ballmer-Weber, doch heute passiere dies immer seltener. Auch ältere Personen würden heutzutage häufiger neu erkranken. Für die Ursachen gibt es lediglich Vermutungen. «Die Chancen, dass sich eine Allergie verstärkt, sind grösser, als dass sie spontan abheilt», weiss die Ärztin.

Quelle: astreaApotheke, Ausgabe April 2012



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