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Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
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Fax 061 273 86 73

08.06.2012
Reisen mit Kindern: Ferien, wir kommen!

Endlich sind sie da, die grossen Ferien mit den Kindern. Die Koffer sind schon fast gepackt, es fehlen nur noch ein paar wenige Dinge. Wie die Reiseapotheke zum Beispiel. Doch woran erkranken Kinder in den Ferien am häufigsten? Und wann muss man dringend mit ihnen zum Arzt? Susanne Schmid Lopardo

Reisen ins Ausland, besonders in südliche Regionen, sind für den menschlichen Organismus nicht ohne. Der Körper muss sich auf ungewohnte Temperaturen und anderes Essen einstellen. Für Kinder ist diese Umstellung besonders gross. Sie überhitzen viel schneller als Erwachsene. «Ein Kind hat die grössere Körperoberfläche im Verhältnis zum Gewicht als ein Erwachsener», erklärt die Kinderärztin Dr. med. Franziska Zucol, Kinderärztin und Infektiologin am Kantonsspital Winterthur.

Und: «Der kindliche Kopf ist proportional zum Körper sehr gross.» Deshalb ist es so wichtig, dass Kinder in der Sonne einen Hut tragen. Wie zu Hause, im Schwimmbad, heisst es also in den Badeferien: Ohne Sonnenhut, Sonnenbrille und Sonnenschutz dürfen Kinder tagsüber nicht nach draussen. Und: Kinder sollten sich wie die Erwachsenen in den heissen Mittagsstunden im Schatten aufhalten. Zudem sollten sie viel Flüssigkeit zu sich nehmen.
Wenn Kinder überhitzen, droht der Hitzschlag. «Das sollte zwar nicht vorkommen, wenn man die Kinder vor der Sonne schützt», sagt Dr. Zucol. Wenn ein Kind jedoch nach einem zu langen Aufenthalt in der Sonne eine heisse und rote Haut hat, Kopfschmerzen bekommt und apathisch wird, müssen die Eltern dringend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Das Essen anpassen
Was das Essen betrifft, gilt für Kinder wie für Erwachsene: «Sie müssen sich dem Hygienestandard des bereisten Landes anpassen.» Je tiefer dieser Standard ist, desto vorsichtiger müssen sie sein und sich an die klassische Regel halten: «Wash it, peel it, cook it or forget it.» Das heisst nur essen, was man waschen, schälen oder kochen kann. Auf Salat zum Beispiel sollte man verzichten. Auch von Früchten, die nicht geschält werden können, sollte man die Finger lassen. Bananen oder Orangen sind besser, weil man sie schälen kann. Allerdings warnt Dr. Zucol davor, Fruchtsalat oder Orangenschnitze zu essen, bei welchen man nicht weiss, wie lange sie schon herumgelegen sind. «Besser ist es, ganze Früchte zu kaufen, die man selber schälen kann.»

Vorsicht beim Wasser
Das Gleiche gilt für Fruchtsäfte. Am besten trinkt man nur Fruchtsäfte, die frisch gepresst sind. Allerdings sollte man darauf achten, dass das Glas vorher gut gewaschen und vor allem abgetrocknet wird. Denn wer in ein Land reist, in dem der Hygienestandard nicht unserem entspricht, muss vor allem beim Wasser vorsichtig sein. Das heisst, man sollte nur abgekochtes Wasser oder Mineralwasser aus Flaschen trinken, die den Orginalverschluss des Herstellers tragen. Eiswürfel in Getränken gilt es ebenfalls zu meiden, genauso wie das von Kindern so geliebte Glacé – obwohl dies bei grosser Hitze manchmal schwerfallen mag. Infektionen des Magen-Darm-Trakts und der Atemwege sind denn auch die häufigsten Krankheiten, die sich Kinder in den Ferien zuziehen – die gleichen also wie zu Hause. In der Basis unterscheidet sich die Reiseapotheke für Kinder deshalb kaum von der Hausapotheke.


Flüssigkeit ist wichtig

Wenn ein Kind in den Ferien trotz aller Vorsichtsmassnahmen Durchfall bekommt und erbrechen muss, ist es wichtig, dass es genügend Flüssigkeit zu sich nimmt. «Man muss sie ihm anbieten und wenn nötig löffeln», erklärt Dr. Franziska Zucol. Dazu eignen sich Elektrolyt-Lösungen, also Salzlösungen, die es in Pulverform gibt und die mit Wasser angerührt werden können.

Keine Medikamente gegen Durchfall
Wie aber kann man beurteilen, ob ein Kind noch genügend Flüssigkeit zu sich nimmt? «Indem es weiterhin regelmässig Wasser lösen kann», sagt Dr. Zucol. Ist das nicht mehr der Fall und wirkt das Kind schlapp und apathisch, sollten die Eltern einen Arzt aufsuchen. Wichtig ist zudem, so Dr. Zucol, dass man dem Kind keine Medikamente gegen Durchfall gibt. Sie haben zur Folge, dass die Erreger noch länger im Körper bleiben. Dasselbe gilt für Erwachsene. Deshalb sollten Erwachsene nur im Notfall Medikamente gegen Durchfall einnehmen.

Reise in die Tropen?
Ob eine Familie mit einem Kleinkind oder einem Baby in die Tropen reisen will, muss sie selber entscheiden. Dr. Zucol empfiehlt jedoch, Nutzen und Risiko einer solchen Reise gegeneinander abzuwägen. Reist eine Familie zu Verwandten nach Indien, wird diese Rechnung anders ausfallen, als wenn es sich um eine reine zweiwöchige Ferienreise handelt. Überhaupt spielt der Zeitfaktor eine Rolle. Nimmt sich die Familie Zeit für eine mehrmonatige Reise, die zu einem wichtigen gemeinsamen Erlebnis wird, dann kann dies eine wertvolle Erfahrung sein. Ein Kurztrip in die Tropen, bei welchem die Eltern gestresst sind, bringt einem Kleinkind vermutlich wenig.

Impfungen überprüfen
Wer mit Kindern in den Süden reist, sollte darauf achten, dass die Impfungen, die zur sogenannten Grundimmunisierung gehören, à jour sind. Je nach Reiseland kann es sogar sinnvoll sein, die Masern-, Mumps- und Rötelnimpfung gegenüber dem Impfplan einige Monate vorzuziehen. Dr. Zucol rät, vor den Ferien die Impfungen mit dem Kinder- oder Hausarzt zu überprüfen. Fährt die Familie in die Tropen, dann ist ein Gespräch mit dem Arzt oder mit dem Tropenmediziner so oder so unerlässlich. Je nach Reiseland wird er Impfungen wie zum Beispiel gegen Hepatitis A oder B, Meningokokken oder Pneumokokken empfehlen, wenn sie nicht schon geimpft wurden. Allenfalls rät er auch zu einer Malaria-Prophylaxe.

Hilfe gegen juckende Insektenstiche
Insektenstiche können sehr schmerzhaft sein. Vor allem wenn ein Kind damit übersät ist. Dr. Zucol empfiehlt lange, helle Kleidung zu tragen und die Hosen in die Socken zu stecken. «In einem Land, in dem es sehr warm ist, hat man dazu zwar oft wenig Lust.» Und trotzdem ist es das Beste. Lange Ärmel und lange Hosen schützen nicht nur vor Insekten, sondern auch vor der Sonne. Am besten sind Kleider aus einer dicht gewobenen, leichten Baumwolle. Gibt es viele Moskitos, ist ein Moskitonetz sinnvoll, und das nicht nur für die Nacht, sondern auch für den Tag. Vor allem kleine Kinder können so gut geschützt werden. Reagiert ein Kind allergisch auf Mückenstiche, empfiehlt Dr. Zucol Antihistaminikatropfen oder -gels. Ist ein Kind sehr oft gestochen worden, ist es jedoch einfacher, wenn es das Medikament schlucken kann. Dass Antihistaminika als Nebenwirkung müde machen können, kann auf die Nacht hin manchmal sogar hilfreich sein.

Reise in die Berge?
Und was gilt es zu beachten, wenn die Familie in die Berge reist? Laut Dr. Zucol kann sich der kindliche Organismus schlechter an die Höhe anpassen als der eines Erwachsenen. Ein Kind sollte deshalb nicht gleich schnell und vor allem weniger hoch aufsteigen. Höhen über 4000 oder 5000 Meter über Meer sollten mit kleineren Kindern vermieden werden. Kann ein Kind selber gehen, ist es wichtig, dass die Familie genügend Pausen einlegt. Und: «Wenn ein Kind sagt, es mag nicht mehr und dann in der Pause nach kurzer Zeit beginnt, herumzuspringen, dann darf man ihm das nicht übel nehmen.» Kinder haben eine kurze Regenerationszeit und brauchen spielerische Abwechslung. Aus diesem Grund sollte man dem Kind Zeit geben, zwischendurch zu spielen. Und natürlich gilt auch in den Bergen: Das Kind muss vor der Sonne geschützt werden und grosse Leistungen über Mittag sind zu meiden.

Heimweh im Ferienlager?
Sind die Kinder etwas grösser, fahren sie vielleicht einmal ohne Eltern ins Ferienlager. Was tun, wenn das Kind im Lager Heimweh bekommt? Ein Medikament gegen Heimweh gibt es nicht. Wichtig ist jedoch, dass ein Kind erst an einem Lager teilnimmt, wenn es reif dazu ist. «Und es sollte mitentscheiden können, ob es will», ist Dr. Franziska Zucol überzeugt. Ausserdem sollte die Möglichkeit vorhanden sein, dass die Eltern oder eine andere Bezugsperson, das Kind nach Hause holen können. «Es ist wichtig, dass die Eltern erreichbar sind und das Kind nicht unter Druck steht, weil es weiss, ‹ich kann so oder so nicht nach Hause, die Eltern sind nicht da›.»
Vielleicht ist es sinnvoll, das Thema Heimweh und den Umgang damit schon vor dem Lager bei den Leitern anzusprechen. Denn Heimweh ist nicht altersabhängig, es kann Kinder jeden Alters treffen.

Dr. med. Franziska Zucol,
Kinderärztin und Infektiologin,
Kantonsspital Winterthur

Quelle: astreaApotheke, Ausgabe 06/2012



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