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Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
Elisabethenstrasse 23
4051 Basel

Fon 061 273 86 71
Fax 061 273 86 73

03.09.2012
Es war einmal ... ein Apotheker

Der Apotheker hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Zuerst handelte er vor allem mit Heilkräutern und Gewürzen, dann begann er erfolgreich eigene, zum Teil komplexe Arzneien herzustellen. Auf Grund der Industrialisierung musste er sein Berufsbild neu erfinden, wie der Pharmaziehistoriker François Ledermann* erklärt.
Angela Brunner, pharmaSuisse

Ausgestopfte Krokodile hingen seit dem Mittelalter in vielen Apotheken. «Das Tier war ein Zeichen der Heilkraft und der Exotik», erklärt Pharmaziehistoriker François Ledermann. Später diente ein grünes Kreuz mit einer Schlange als Apothekensymbol bzw. als Zeichen der Heilkraft von Medikamenten. Neben dem Aushängeschild hat sich im Laufe der Geschichte auch das Rollenbild des Apothekers verändert. Bild:Krokodil der Rathaus Apotheke in Bern

Arzt oder Apotheker?
Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts breiteten sich Apotheken in Europa aus. «Die ersten Apotheker in der Schweiz gab es etwa ums Jahr 1280», sagt François Ledermann. Aufgrund islamischer Einflüsse legten sie grossen Wert auf die technische Herstellung von Medikamenten. Zur gleichen Zeit kam es zur Trennung der Berufe von Arzt und Apotheker.

Apotheker hat Herstellungsmonopol
Ledermann glaubt kaum an die bekannte Legende, dass Kaiser Friedrich II. in Süditalien die Trennung per Gesetz erzwang. Vielmehr erforderte die Spezialisierung des Apothekers als Medikamentenexperte die erwähnte Reglementierung. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts festigte sich so das Monopol des Apothekers für die Herstellung von Medikamenten. «Qualität war schon damals wichtig», sagt Ledermann. Der Apotheker stellte seine Medikamente gemäss den Normen von Arzneibüchern her.

Weltweit eine Ausnahme
Ärzte durften damals in der Regel keine Medikamente mehr verkaufen. Dies änderte sich einzig in der Schweiz, als um 1850 einzelne Kantone in der Deutschschweiz die Medikamentenabgabe durch den Arzt ermöglichten. Noch heute bildet dies eine Ausnahme: «Bis auf ein paar wenige Kantone in der Schweiz herrscht auf der ganzen Welt eine Trennung zwischen Arzt und Apotheker», sagt Ledermann.

Angesehene Persönlichkeiten
Bis im 19. Jahrhundert existierten Apotheken allerdings nur in den Städten. Im Kanton Bern etwa gab es sie um 1800 nur in Bern, Thun, Biel, Burgdorf und Langenthal. Auf dem Land waren eher Heilpraktiker tätig. «Auf Grund seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war der Apotheker in der Gemeinde eine angesehene, meist wohl-habende Person», erzählt Ledermann.

Wachs und Likör verkauft
Die Entwicklung des Apothekerberufs war unter anderem abhängig von der Erforschung von Arzneimitteln. Im Mittelalter handelte der Apotheker in erster Linie mit Gewürzen und Kräutern. Er verkaufte sogar Wachs, Farbpigmente und Likör. Bis um 1850 setzte er vor allem auf traditionelle pflanzliche Medikamente, die er in seinem Labor selbst herstellte.

Wandel zum akademischen Beruf
«Die Pharmazie gilt als Keimzelle der Naturwissenschaften», sagt Ledermann. 1880 wurde die akademische Ausbildung eidgenössisch anerkannt. Eine Lehre reichte nicht mehr aus, um den Beruf des Apothekers zu erlernen. Im 19. Jahrhundert wurde die Pharmazie daher zu einem akademischen Beruf. Und das ist er bis heute geblieben: Schweizer Apotheker müssen ein rund fünfjähriges Studium an einer Universität absolvieren.

Beratung wichtiger als das Labor
Doch der Apotheker musste in seiner Geschichte auch grosse Veränderungen akzeptieren: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts funktionierten grosse Apotheken noch wie Fabriken, die bis zu rund 50 Rezepturen pro Tag herstellten. Im 19. Jahrhundert entstand die Pharmaindustrie. «Auf Grund der zunehmenden Industrialisierung musste der Apotheker seinen Beruf ‹neu erfinden›», erzählt Ledermann. Daher rückten die Apotheker die Fachberatung und Kontrolle beim Bezug von Medikamenten in den Vordergrund. Heute stellen sie oft nur noch rund zwei bis drei Präparate pro Woche her.

Frack statt weisser Kittel
Über die historische Verlagerung der Aufgaben ist Ledermann nicht unglücklich: «Ich bin kein Labormensch», sagt er von sich. Die Geschichte seines Berufsstandes fasziniert ihn dennoch. Bereits vor rund 35 Jahren hat er eine Doktorarbeit zu dem Thema geschrieben. «Als Pharmaziehistoriker kann ich in Nuancen über den eigenen Job nachdenken.» Beispielsweise trugen viele Apotheker früher einen Frack bei der Arbeit. Erst im 20. Jahrhundert wurde der weisse Kittel zu ihrem Markenzeichen.

Wenige historische Apotheken übrig
Nicht alle teilen Ledermanns Sinn für Geschichte. So haben nur wenige historische Apotheken bis heute überdauert. «In den 60er- und 70er- Jahren standardisierten wenige Umbaufirmen das Erscheinungsbild zahlreicher Apotheken», bedauert Ledermann. Besucher der Berner Rathaus Apotheke etwa können allerdings noch erahnen, wie schön die Apotheken von damals mit ihrem hölzernen Interieur gewirkt haben mochten. Sogar ein ausgestopftes Krokodil ist dort zu entdecken

*François Ledermann ist Professor für Pharmaziegeschichte und Offizinapotheker in der Berner Schloss-Apotheke

Vom Lagerhalter zum Giftmischer
Das Wort «Apotheke» stammt aus dem Griechischen und wurde ursprünglich für Lager verwendet. Der Apotheker war demnach ein Lagerverwalter. Das Wort «Pharmakon» kommt ebenfalls aus dem Griechischen und bedeutet Gift bzw. Medikament. Da der Apotheker sich mit Pharmazie befasste, wurde er zuweilen auch als Giftmischer bezeichnet. «Die Leute hatten Respekt vor dem Apotheker, da er auch mit giftigen Stoffen hantieren konnte, um wirkungsvolle Heilmittel herzustellen», sagt Pharmaziehistoriker François Ledermann. In der Literatur kommen Apotheker ebenfalls vor, unter anderem bei Shakespeare («Romeo und Julia»).

Quelle: astreaApotheke, Ausgabe 09/2012



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