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Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
Elisabethenstrasse 23
4051 Basel

Fon 061 273 86 71
Fax 061 273 86 73

02.09.2014
«Ein guter Apotheker passt sich an die Bedürfnisse seiner Kunden an»

Die Bruggen-Apotheke in St. Gallen verlassen ab und zu auch Kunden ohne ein Medikament in der Tasche – und darüber kann sich Apothekerin Yvonne Geiger durchaus freuen. Im Interview zum Weltapothekertag erklärt sie, warum das so ist und berichtet von schönen und bedrückenden Erlebnissen aus dem Apothekenalltag.
Silvia Weigel, pharmaSuisse

Sie gehören immer zu den ersten Apotheken, die neuartige Dienstleistungen anbieten – von netCare über Herz- oder Lungen-Checks und Impfberatung bis hin zu Schminkpartys. Warum legen Sie so grossen Wert auf Dienstleistungen?
Yvonne Geiger: Weil wir klar spüren, dass der Kunde das will. Gefragt sind schnelle, unkomplizierte und nachhaltige Lösungen für die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden – und das ist nicht immer ein Medikament. Standortbestimmungen, die Präventionsmassnahmen ermöglichen, oder Check-Ups zur Früherkennung von allfälligen Risiken sind oft der beste Weg, gesundheitliche Probleme von vornherein zu verhindern. Auf diese Weise geben wir den Leuten ein wertvolles Instrument zur Gesunderhaltung. Ich habe das erst kürzlich bei der Impfberatung gemerkt: Die Kunden verlassen die Apotheke ohne Medikament, sind aber unglaublich froh und dankbar, weil wir Ordnung ins Impfchaos bringen und ihnen so Sicherheit geben konnten.

Wie passen Schminkpartys in dieses Angebot – gehört so etwas wirklich in die Apotheke?
Das finde ich schon, denn die Apotheke ist nicht mehr nur ein Ort der Problemlösungen, sondern auch des ganzheitlichen Wohlbefindens. Unser Äusseres spielt für das Gesamtbefinden eine sehr wichtige Rolle. Gerade für Menschen mit empfindlicher Haut ist eine kompetente Beratung, die sowohl den kosmetischen als auch den medizinischen Bereich abdeckt, sehr wertvoll.

Was macht einen guten Apotheker aus? Man muss Menschen mögen. Das ist aber nicht alles, oder?
Nein, aber es ist eine Grundvoraussetzung: Der Mensch und seine Bedürfnisse müssen im Mittelpunkt stehen. Ein guter Apotheker ist offen, geht auf seine Kunden und ihre Anliegen ein und hört ihnen zu. Besonders wichtig ist es auch, dass man das universitäre Fachwissen leicht verständlich vermitteln kann, sodass der Kunde seine Medikamente richtig anwendet. Das Studium bietet eine gute Grundlage, aber ein guter Apotheker entwickelt sich immer weiter und passt sich an die Bedürfnisse seiner Kunden an.

Was bedeuten Ihre Kunden für Sie?
Unsere Kunden sind für mich der zentrale Dreh- und Angelpunkt. Sie sind sozusagen meine Arbeitgeber, meine Motivation und gleichzeitig eine Quelle für Dankbarkeit und Lob.

Wie muss sich der Apothekerberuf in Zukunft weiterentwickeln und warum?
Die Kunden und das Gesundheitswesen fordern einen schnellen und kostengünstigen Zugang zu einer kompetenten Grundversorgung, vor allem bei Bagatellerkrankungen. Der Apotheker ist dafür bestens geeignet, denn er bringt als universitäre Medizinalperson nicht nur das nötige Fachwissen mit, sondern er ist auch jederzeit während der Öffnungszeiten abrufbar. Wir müssen deshalb für den Kunden der Zukunft dringend unser Dienstleistungsangebot weiter ausbauen – zum Beispiel, indem wir netCare erweitern und besser bekannt machen. Ausserdem müssen die Apotheken die bereits begonnene Entwicklung fortsetzen und von einem Ort der Krankheit zum Ort für Gesundheit und Wohlbefinden werden.

Was ist die schönste Seite dieses Berufs?
Die Vielfalt der täglichen Herausforderungen und Anfragen, die ich mit Unterstützung von meinem wunderbaren Team meistern kann. Die schönsten Erlebnisse sind für mich immer verbunden mit zufriedenen Kunden – seien es junge Eltern, die nach vielen durchwachten Nächten dank eines wirksamen Mittels gegen Dreimonatskoliken endlich wieder durchschlafen können, oder Patienten, die sich nach einer langen schweren Krankheit wieder auf dem Weg der Besserung befinden. Wir erleben mit unseren Kunden auch die Vorfreude auf aussergewöhnliche Ferien, wenn sie zu uns in die Reiseberatung kommen, oder das Glück von werdenden Müttern, die sich bei uns Kompressionsstrümpfe anpassen lassen oder Schwangerschaftspräparate abholen. Der Beruf hat unzählige schöne Seiten.

Aber die Apotheke ist auch ein Ort, an dem Sie immer wieder mit schweren Schicksalen konfrontiert werden.
Das stimmt. Und es ist unsere Aufgabe, den Betroffenen beizustehen und sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Auch traurige Momente haben auf diese Weise etwas Positives. Ich denke an einen Kunden, der mit Tränen in den Augen zu uns kam. Er war vollkommen aufgelöst und überfordert, nachdem seine Frau mit der Nebendiagnose ‚Tumor‘ aus dem Spital entlassen wurde. Die beiden wussten weder um welche Art von Tumor es sich handelt, noch wie es nun weitergehen würde. Der Mann war total überfordert und machte sich auch noch Vorwürfe, weil er seine Frau nicht zusätzlich mit seinen Ängsten belasten wollte. Ich konnte ihm sagen, dass seine Gefühle vollkommen normal sind und ihm Mut machen, dass seine Frau und er beim nächsten Arzttermin Antworten erhalten und schon bald in eine Routine finden würden, die ihnen hilft, mit der Krankheit umzugehen. Das gab ihm Kraft, seiner Frau beizustehen. Und wenn ich sehe, dass ich Kunden helfe, beziehe ich daraus wiederum Kraft und Motivation für mich.

Gibt es auch Momente, die Sie an Ihre Grenzen bringen?
Es gibt hin und wieder auch frustrierende Erlebnisse. Eines Tages kam eine ältere Stammkundin zu uns in die Apotheke, die normalerweise noch sehr fit ist – aber an diesem Tag machte sie einen ganz schlechten Eindruck. Mir war sofort klar, dass sie einen Arzt braucht, also haben wir die Kundin gleich zu ihrem Hausarzt gefahren. Es stellte sich heraus, dass sie knapp vor einer Lungenentzündung stand. Gott sei Dank hat sie sich aufgrund der raschen Hilfe bald wieder erholt – darüber freuen wir uns natürlich sehr. Das Ärgerliche an der Geschichte: Der Hausarzt gab die notwendigen Medikamente gleich persönlich ab, anstatt ein Rezept auszustellen. Das gibt einem schon zu denken, vor allem, weil es keinen vernünftigen Grund dafür gab. Wir hätten die Präparate nach Hause geliefert.

Ist die Zusammenarbeit mit den Ärzten immer so schwierig?
Nein, zum Glück nicht. Die gute Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern ist unglaublich wichtig für die Patienten. Gerade bei Dienstleistungen wie netCare oder den Check-ups für Herz und Lunge funktioniert das sehr gut.

Wie sind Sie zur Pharmazie gekommen?
Durch meine Liebe zur Medizin und den Naturwissenschaften – und eine gehörige Prise Zufall: Mein Chemielehrer am Gymnasium hat mir das Pharmaziestudium nahegelegt.

Allein dadurch lässt sich Ihre Motivation und Servicebereitschaft aber nicht erklären, oder?
Ich will gewinnen – verlieren ist keine Option. Ich will das Beste für unsere Kunden und bin bereit, dafür viel zu tun. Vielleicht kommt es von meiner Zeit als Handballerin, denn ich habe während des Studiums und der ersten Berufsjahre in der höchsten Frauenliga gespielt. Vielleicht spielt aber auch die Familiengeschichte eine Rolle. Meine Mutter ist an Leukämie erkrankt, als ich elf Jahre alt war. Als ich vierzehn war, ist sie verstorben. Damals habe ich erlebt, wie sich so eine Lebensausnahmesituation auf die Familie auswirkt, und ich habe erfahren, was es heisst, eine gute Betreuung zu haben. Ich bin mit dem Durchschnitt einfach nicht zufrieden.

www.bruggen-apotheke.ch

 

Quelle: astreaApotheke, Ausgabe 09/2014



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