Zur Startseite
startseite | nofalldienste | geschäftsstelle | sitemap | impressum
 
 
   

Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
Elisabethenstrasse 23
4051 Basel

Fon 061 273 86 71
Fax 061 273 86 73

06.11.2014
Das Gift im Haushalt

Fünfzehn Kilogramm Chemikalien lagern im Schweizer Durchschnittshaushalt. Der unachtsame Umgang mit diesen Produkten führt jährlich zu mehr als 8 000 Notrufen beim Tox-Zentrum. Auch Todesfälle sind jedes Jahr zu beklagen.
Silvia Weigel, pharmaSuisse

«Bei mir kann nichts passieren», sagt die junge Mutter. All ihre Chemikalien seien in einer Putzkammer im Keller kindersicher verstaut. Da ist sie sich sicher. Doch sie irrt. Ein kleiner Rundgang offenbart, dass in Stube, Badezimmer und Küche chemische Produkte lagern, die leicht zu schweren, ja sogar tödlichen Vergiftungen führen können. Neue, weltweit einheitliche Gefahrensymbole sollen helfen, solche Vorfälle zu vermeiden. Neun dieser Symbole gibt es neu – sie werden derzeit schrittweise eingeführt, bis Juni 2015 müssen alle 149 000 gefährlichen Produkte mit den entsprechenden Symbolen gekennzeichnet sein. «Man muss nicht jedes Symbol auswendig kennen», sagt Peter Krähenbühl, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Wichtig sei, darauf zu achten, ob ein Produkt mit einem solchen Symbol versehen ist. «In diesem Fall muss man unbedingt die Gefahren- und Sicherheitshinweise lesen und beachten.» Leider weiss ein Grossteil der Bevölkerung nichts von den Gefahrensymbolen und ihrer Bedeutung, weshalb es immer wieder zu Zwischenfällen kommt.

Lungenschäden durch Öllampen
Was die junge Mutter übersehen hat: Die hübsche Öllampe auf dem Wohnzimmertisch, die ätherischen Öle im Badezimmer und die Waschmitteltabs in der Küche. Für sie – wie für die meisten Menschen – sind das keine «richtigen» Chemikalien. «Aber gerade auch solche Produkte können grosse Schäden verursachen», sagt Peter Krähenbühl. Das Paraffinöl in der Öllampe kann eingenommen bereits in kleinsten Mengen zu lebensgefährlichen Entzündungen der Lunge führen. «Es reicht sogar schon, wenn ein Kind nur am Docht saugt.» Jedes Jahr landen in der Schweiz Kinder wegen solcher Vergiftungen in den Notfallstationen von Spitälern oder sterben sogar. Auch gewisse ätherische Öle können bereits in kleinsten Mengen zu schwerwiegenden Problemen führen. Kommen sie mit der Haut in Kontakt, kann dies zu unerwünschten Reizungen der Haut und Schleimhaut oder Allergien führen. Werden sie eingenommen, können ätherische Öle gar lebensbedrohliche Lungenentzündungen verursachen. «Viele Unfälle gibt es auch mit Wasch- und Spülmitteltabs», sagt Peter Krähenbühl. Bei den neuen Liquid Caps, Mega Caps oder Folienkapseln handelt es sich um vorportionierte, hoch konzentrierte Mengen an Flüssigwaschmittel in einer dünnen Folienummantelung, die sich während des Waschgangs auflöst. Kinder könnten die bunten Päckchen leicht für Süssigkeiten halten und hineinbeissen. Bei Liquid Caps sei die Gefahr besonders gross. Beim Tox-Zentrum gehen jedes Jahr mehr als 8 000 Notrufe aufgrund von Vorfällen mit Haushaltsprodukten ein. Da keine Meldepflicht besteht, hält das BAG die Dunkelziffer für deutliche höher – man geht von 40 000 bis 50 000 Fällen aus. Peter Krähenbühl erklärt: «Wenn man sich das Auge beispielsweise mit einem Putzmittel verätzt hat, ruft man nicht beim Tox-Zentrum an, sondern man geht ins Spital.» In einer Studie mit dem Inselspital seien in den vergangenen eineinhalb Jahren rund 150 solcher Fälle registriert worden. Davon seien dem Tox-Zentrum nur gerade sechs Fälle gemeldet worden.

Zu gefährlich für den Haushalt?
Heisst das, man sollte alle chemischen Produkte aus dem Haushalt entfernen? «Nein», sagt Peter Krähenbühl. Das sei auch schwer möglich, immerhin lagern im durchschnittlichen Schweizer Haushalt rund 15 Kilogramm chemische Produkte – von Putz- und Waschmitteln über Desinfektionsmittel bis hin zu Farben, Tipp-Ex, Dünger oder Schädlingsbekämpfungsmitteln. «Wir wollen den Leuten keine Angst machen.» Aber es sei wichtig, die Risiken zu kennen und sorgsam damit umzugehen. Nur so könne man diese Produkte sicher verwenden, lagern und entsorgen.

Chemische Produkte niemals in Lebensmittelbehälter füllen
Eine der wichtigsten Regeln in diesem Zusammenhang lautet: Chemische Produkte dürfen niemals in Lebensmittelbehälter umgefüllt werden! «So etwas führt fast zwangsläufig zu Unfällen, oft auch zu tödlichen », sagt Peter Krähenbühl. Er erinnert an den Fall eines Mannes, der verstorben war, nachdem er in einem Lokal Natronlauge getrunken hatte – der Wirt hatte den Rest eines Putzmittels in eine Weinflasche umgefüllt.

Das BAG bietet eine breite Palette von Informationsmaterial rund um chemische Produkte im Haushalt an. Neben Zahlen und Fakten, rechtlichen Hintergründen und einer kostenlosen App «cheminfo» gibt es auf www.cheminfo.ch unter anderem auch einen Risikotest sowie die Möglichkeit, gratis Schutzhandschuhe für den Haushalt zu bestellen.

Übersicht Gefahrensymbole


Quelle: astreaApotheke, Ausgabe11/2014



Übersicht aller aktuellen Einträge
Zurück zur Homepage