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Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
Elisabethenstrasse 23
4051 Basel

Fon 061 273 86 71
Fax 061 273 86 73

05.05.2015
Wechselwirkungen zwischen Medikamenten vermeiden

Manche Substanzen beeinflussen sich gegenseitig auf ungünstige Art. Wer verschiedene Tabletten und Kapseln gleichzeitig schluckt, sollte deshalb den Arzt und die Apotheke informieren. Auch den Verdacht auf Nebenwirkungen sollte man melden.
Andrea Söldi

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Wer sich die Mühe nimmt, die Packungsbeilagen seiner Medikamente eingehend zu studieren, wird sich vergegenwärtigen, dass dieser Grundsatz etwas Wahres hat. Bei den langen Listen von möglichen Komplikationen könnte einem angst und bange werden. Dabei sind auf den Beipackzetteln, die für Konsumenten gedacht sind, nicht einmal sämtliche Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Substanzen aufgeführt. Immer wieder kommen neue Erkenntnisse hinzu und viele unerwünschte Effekte bleiben unentdeckt.

Meldezentren sind vernetzt
Um die Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben, gibt es in der Schweiz sechs regionale Meldezentren, die Verdachtsfällen nachgehen. Sie beurteilen eingegangene Meldungen und leiten sie anonymisiert ans Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic weiter. Dieses führt eine zentrale schweizerische Datenbank und übermittelt Ergebnisse an die internationale Datenbank der Weltgesundheitsorganisation in Schweden. Zudem betreiben die Pharmaunternehmen eigene Systeme und leiten ihre Erkenntnisse ebenfalls in die offiziellen Kanäle.

Rezeptfreie Mittel nicht vergessen
Häufig würden unerwünschte Interaktionen entstehen, wenn Patienten verschiedene Medikamente gleichzeitig einnehmen, sagt Dr. med. MBA Marco Egbring, Oberarzt an der Klinik für Klinische Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsspitals Zürich (USZ). «Viele Ärzte wissen nicht über alle Tabletten, Kapseln, Sirupe und Salben Bescheid, die ihre Patienten einnehmen.» Besonders rezeptfreie Mittel, die zum Teil sogar im Supermarkt erhältlich sind, würden oft gar nicht als eigentliche Medikamente wahrgenommen. Doch auch solche Präparate sind nicht immer harmlos. Viele ältere Menschen zum Beispiel schlucken Kalzium für den Knochenaufbau, um der Osteoporose vorzubeugen. Kalzium-Brausetabletten können jedoch die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen und gewissen Antibiotika verschlechtern, wenn sie kurz nacheinander geschluckt werden. Deshalb sollte man die Substanzen mit möglichst viel zeitlichem Abstand einnehmen.

Entsprechende Wechselwirkungen gäbe es viele, weiss Herr Egbring. In der Schweiz nehmen mehr als 40 Prozent der über 65-Jährigen täglich fünf und mehr Medikamente ein, manche gar bis zu 30 verschiedene. Und nicht immer werden alle vom gleichen Arzt verordnet.

Ein eindrückliches Beispiel
Günstig verlief der Fall einer gut 60-jährigen Frau, die an Brustkrebs erkrankt war. Bereits vor der Erkrankung erhielt sie Medikamente wegen ihres hohen Blutdrucks und des seit Jahren bestehenden Tinnitus. Auch ein Antidepressivum nahm sie bereits seit längerer Zeit ein. Um ein erneutes Auftreten des Tumors zu verhindern, musste sie nach der Chemotherapie und der Bestrahlung ein weiteres Medikament schlucken. Aufgrund ihrer Krankheit verstärkten sich die depressive Stimmung und die Ängste. Zudem machte sie das Antidepressivum wegen der schlechten körperlichen Verfassung müde und sie vertrug es schlechter als früher. Deshalb wollte der Hausarzt ein anderes Medikament gegen die Depressionen verordnen und fragte bei den Onkologen nach, ob es sich mit der aktuellen Krebstherapie vertragen würde. Er erfuhr jedoch, dass das betreffende Medikament die Wirkung des krebshemmenden Mittels stark einschränken kann. Es hätte das Risiko, erneut an Brustkrebs zu erkranken, um das Dreifache erhöht und gleichzeitig die Wirkung des Blutdrucksenkers beeinflusst. Letztendlich konnte ein anderes Antidepressivum gefunden werden, das sich mit der Krebstherapie vertrug. Dass der betreffende Arzt nachgefragt habe, sei sinnvoll, sagt Dr. Egbring: «Nicht alle denken an mögliche Wechselwirkungen.» Und in diesem Fall wären die Folgen besonders fatal ausgefallen: Während Symptome wie Übelkeit oder Verstopfung sofort als störend auffallen, wäre diese Wechselwirkung wahrscheinlich erst bemerkt worden, wenn es bereits zu spät gewesen wäre.

Die Apotheke an vorderster Front
Die Apotheke nimmt eine zentrale Rolle bei der Vermeidung von Wechselwirkungen zwischen Medikamenten ein. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen: Dank elektronischen Dossiers behält sie stets den Überblick über sämtliche verschriebenen Therapien, auch wenn diese von verschiedenen Ärzten, z. B. aus dem Spital und vom Hausarzt, stammen. Vorausgesetzt natürlich, dass der Patient alle seine Rezepte in derselben Apotheke einlöst. Das Apothekenteam weiss auch, dass rezeptfrei erhältliche Medikamente und Präparate nicht von einer Prüfung auf Wechselwirkungen ausgenommen werden dürfen. Das gilt auch für die sogenannte «sanfte» Medizin. Selbst pflanzliche Arzneimittel enthalten Stoffe, die die Aufnahme und Wirkung anderer Medikamente beeinflussen können. Man darf sich deshalb nicht wundern, wenn man an der Kasse selbst beim Kauf eines simplen Hustensirups nach anderen Mitteln gefragt wird, die man vielleicht einnimmt oder sogar nach seinem Namen, damit das Dossier mit der «Medikamentengeschichte» aufgerufen und auf Wechselwirkungen mit dem geplanten Kauf untersucht werden kann. Um mehr Erkenntnisse zu gewinnen, ist es wichtig, möglichst viele Informationen über «Zwischenfälle» mit Medikamenten zu sammeln. Der Verdacht auf eine Wechsel- oder Nebenwirkung sollte stets dem Arzt, der Apotheke oder direkt dem Meldezentrum mitgeteilt werden (www.swissmedic.ch/marktueberwachung). − Jeder kann etwas dazu beitragen, Medikamente sicherer zu machen!


Quelle: astreaApotheke, Ausgabe Mai 2015



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