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Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
Elisabethenstrasse 23
4051 Basel

Fon 061 273 86 71
Fax 061 273 86 73

03.06.2015
Der sichere Umgang mit Gesundheitsseiten

Gesundheitsinformationen aus dem Internet oder durch Apps können die Beratung durch Fachpersonen wie Apotheker oder Ärzte keinesfalls ersetzen, aber durchaus ergänzen. Simone Widler, Projektleiterin bei Gesundheitsförderung Schweiz, sagt, worauf es zu achten gilt und wo die Grenzen von Informationen aus dem Netz sind.
Silvia Weigel, pharmaSuisse

Das Internet wird immer häufiger als Gesundheitsratgeber genutzt. Was halten Sie von dieser Entwicklung?
Simone Widler: Die Informationssuche nach Gesundheitsinformationen im Internet bietet riesige Chancen, aber auch Gefahren. Gesundheitsseiten können einen einfachen, kostengünstigen und schnell abrufbaren Zugang zu nützlichen Infos gewähren. Allerdings bleibt dem Nutzer die Aufgabe erhalten, die Inhalte nach Glaubwürdigkeit, Qualität und Aktualität zu filtern und den Bezug zur eigenen Situation zu erkennen. Dies ist ein äusserst schwieriges Unterfangen und bedarf einer gewissen Gesundheitskompetenz. Nicht selten überfordert der Informationsüberfluss den Nutzer, und ein ergänzender direkter Austausch mit einer Fachperson ist unumgänglich.

Welche Angebote halten Sie für besonders bedenklich?
Gesundheitsportale mit kommerziellem Interesse oder ideologisch ausgerichteten Inhalten und Websites mit Gesundheitsempfehlungen, die zwar gut gemeint sind, jedoch nicht von fachkompetenten Personen erstellt worden sind und falsche oder ungenügende Informationen enthalten. Nicht alle Gesundheitssites deklarieren ihre Ziele offensichtlich.

Wie können Laien seriöse von unseriösen Informationsquellen unterscheiden?
Wichtig ist, zu schauen, ob gewisse Informationen gut ersichtlich angegeben werden. Die Stiftung Health On The Net, kurz HON, hat Richtlinien für Gesundheitswebsites erstellt, die eingehalten und vom Nutzer überprüft werden sollten (siehe Box, Anm. der Redaktion).

Gibt es Beispiele für seriöse Angebote?
Die Stiftung HON hat sich dem Bedürfnis der Internetnutzer verschrieben, gesundheitsbezogene Webangebote mit kontrollierter Qualität hervorzuheben. Auf dem Portal kann man nach Begriffen suchen, die nur auf Websites zurückgreifen, die bestimmte Richtlinien befolgen. Seriöse Informationen bieten auch das Bundesamt für Gesundheit, Gesundheitsligen oder Patientenorganisationen.

In welchen Fällen macht es überhaupt Sinn, sich im Internet zu informieren?
Wenn man die Informationen einer Fachperson vertiefen möchte und wenn es um Gesundheitsbelange geht, die nicht prioritär sind und später mit einer Fachperson, zum Beispiel dem Apotheker oder Hausarzt, besprochen werden können. Wichtig ist dabei, sich eine Grenze zu setzen, bis zu welchem Punkt man die Informationsangebote verfolgt: Nämlich nur solange, wie diese fürs Verständnis des Gesamtbildes nützlich sind.

Stichwort Gesundheits-Apps: Worauf sollte man hier achten?
Auf die gleichen Punkte wie bei Websites. Meist sind nicht alle Infos im App Store zu finden. Vor dem Download lohnt sich ein Blick auf das Impressum der Herstellerwebsite.

Die Suchfunktion der Stiftung HON finden Sie unter www.healthonnet.org/ HONsearch/Patients/

 

Vorsicht vor falschen Informationen aus dem Internet

Wer sich auf ungesicherte Gesundheitsinformationen aus dem Internet verlässt, lebt gefährlich. Drei Beispiele.
Silvia Weigel, pharmaSuisse

Einsatz ungeeigneter oder gar gefährlicher Präparate
Die Einnahme von Medikamenten ohne Fachberatung ist riskant. Unnötige, falsch dosierte oder falsch eingesetzte Medikamente können der Gesundheit schaden. Ein Online-Fragebogen kann die Fachberatung durch einen Apotheker oder Arzt nicht ersetzen. Werden Medikamente über illegale Websites bestellt, kommt das Risiko von Fälschungen hinzu: Diese können zu viel, zu wenig oder überhaupt keine Wirkstoffe enthalten. Auch giftige Verunreinigungen können bei gefälschten Medikamenten vorkommen und stellen ein Risiko für die Gesundheit dar. Medikamente sollten deshalb nur nach Rücksprache mit einer Fachperson eingenommen werden.

Gefährliche Verharmlosung von Kinderkrankheiten
Kinderkrankheiten wie die Masern werden auf manchen Internetseiten stark verharmlost. Gleichzeitig werden Falschinformationen über Impfungen verbreitet. Der fehlende Impfschutz führt zu Masernepidemien wie jener in Berlin, die im Februar ein Kleinkind das Leben gekostet hat. Vor der Entscheidung für oder gegen den Impfschutz für Kinder sollten Eltern deshalb gesicherte Informationen prüfen und abwägen. Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema Impfen finden Sie auf www.bag. admin.ch/impfinformation.

Falsche Einschätzung von Symptomen
Ähnliche Symptome können sowohl bei harmlosen als auch bei schwerwiegenden Erkrankungen auftreten. Wird ein Symptom falsch eingestuft, kann das auf der einen Seite zu unnötigen Ängsten, aber auch zu Verzögerungen der richtigen Therapie führen. Apotheker können Symptome richtig einschätzen und ihren Kunden dann den weiteren Behandlungsweg aufzeigen – sei es die Einnahme eines geeigneten Medikaments, ein Besuch in der Arztpraxis oder im Spital. Durch diese Erstabklärung des Apothekers erhält der Patient ohne vorherige Terminabsprache die Sicherheit, dass er den optimalen Behandlungsweg einschlagen kann.


Quelle: astreaApotheke, Ausgabe Juni 2015



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