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Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
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19.11.2015
Gelenk- und Rückenschmerzen
Faszien – das unterschätzte Bindegewebe

Bei Schmerzen an Gelenken und im Rücken ist die Ursache oftmals unklar. Erst seit wenigen Jahren wird Forschern und Therapeuten deutlich, dass auch Faszien Bewegungsschmerzen verursachen können. Sanfte Bewegungen und Massagen helfen, die ursprüngliche Beweglichkeit wiederzuerlangen.
Annegret Czernotta

Vier von fünf Menschen klagen im Laufe des Lebens über Rückenschmerzen. Oftmals werden Muskelschwäche oder ein Bandscheibenvorfall als Ursache dahinter vermutet. Trotz Operation oder auch Muskelaufbautraining gehen die Schmerzen bei vielen Menschen jedoch nicht zurück. Denn die Ursache für den Schmerz kann auch in den Faszien liegen. Das ist Bindegewebe, das jeden Muskel, einzelne Muskelfasern, aber auch Organe wie Darm oder das Herz umhüllt, durchdringt und zusammenhält.

Stark und doch elastisch
Faszien bestehen aus Wasser, Zellen, Fasern und Zucker-Eiweiss-Verbindungen. Dieser Aufbau macht Faszien, wie beispielsweise die Rückenfaszie, stark, aber auch elastisch, wie die Achillessehne, und ermöglicht anmutende, federnde Bewegungen. «In den Faszien liegen circa 80 Prozent der freien Nervenenden », ergänzt die Physiotherapeutin und Seniorinstruktorin für myofasziale Triggerpunkttherapie Yvonne Mussato Widmer aus Zürich, die sich u. a. auf die Faszienbehandlung spezialisiert hat. Die vielen Sensoren ermöglichen harmonische Bewegungen, weil die Nervenendigungen wie Fühler wirken und die Position des Körpers im Raum wahrnehmen. «Die vielen Schmerzrezeptoren in den Faszien führen aber auch dazu, dass kleine Risse und Verklebungen schmerzen und die Bewegungen beeinträchtigen», so Mussato Widmer. Zwar macht auch das Altern Faszien unbeweglich. Meist sind es aber falsche Belastungen, zu viel oder zu wenig Bewegung, die zu kleinen Wunden im Bindegewebe führen. «Ausserdem kann zu wenig Vitamin C oder Rauchen die stetige Anpassung der Faszien stören», sagt Mussato Widmer.

Schwingende Bewegungen für die Faszien
Nachdem sich die Behandlung von Gelenkund Rückenschmerzen jahrelang auf die Gelenke und die Muskulatur konzentriert hat, wird die Bedeutung der Faszien langsam deutlich und hat Einzug genommen in die Praxis von Sportmedizinern und Physiotherapeuten. Mussato Widmer massiert bei Verhärtungen beispielsweise Rücken- und Bauchmuskeln und deren Faszien und lässt den Betroffenen stabilisierende sowie mobilisierende Bewegungsübungen durchführen. Die gezielten manuellen Techniken führt sie langsam und entlang der Faszienstränge durch. Faszien sprechen auch auf elastische und schwingende Bewegungen an, wie sie beim Turnen im Turnverein, beim Tanzen oder Joggen vorkommen. Zudem kann durch Dehnung wieder Flüssigkeit ins Bindegewebe eindringen und dieses gleitfähig, aber auch stabiler machen.

Fernöstliche Bewegungen stabilisieren
Fernöstliche Bewegungen wie Tai-Chi, Yoga oder Qigong berücksichtigen die Bedeutung des Bindegewebes bereits seit Jahrhunderten – obwohl damals das Bindegewebe unbekannt war. Die Bewegungen sind für Faszien gut, weil sie den Schwerpunkt auf achtsame, langsame Bewegungen legen und so die Beweglichkeit fördern. Allerdings rät die Physiotherapeutin dazu, die Faszien nicht mehr als zwei- bis dreimal pro Woche zu trainieren, damit diese genug Zeit haben, sich der Beanspruchung anzupassen. Zudem kommt es auf eine ausgeglichene Mischung von Koordination, Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit im Sport an. Deshalb sei es laut Mussato Widmer gesund, neben Yoga auch federnde Bewegungen zu machen, wie Joggen oder auch Seilspringen.

Momentan ein richtiger Hype
Zudem ist bei Schmerzen eine fundierte Abklärung und Diagnose wichtig: «Momentan sind die Faszien ins absolute Interesse gerückt, es herrscht ein richtiggehender Hype um dieses Thema und fast alle Schmerzen am Gelenkapparat werden mit ihnen in Verbindung gebracht», warnt Mussato Widmer. «Aber erst wenn die Ursache bekannt ist, ermöglicht das eine gezielte Behandlung.» Denn sonst besteht die Gefahr, dass es den Patienten noch schlechter geht, weil für sie die Fasziengymnastik noch nicht geeignet ist und zuerst andere Behandlungsansätze notwendig sind.


Quelle: astreaApotheke, Ausgabe November 2015



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