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Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
Elisabethenstrasse 23
4051 Basel

Fon 061 273 86 71
Fax 061 273 86 73

02.03.2016
Darmkrebsvorsorge: kleiner Aufwand – grosse Wirkung

Laut Prof. Urs Marbet, ehem. Chefarzt Innere Medizin am Kantonsspital Uri, ist der Test, der vom 1. März bis Mitte April in diversen Apotheken angeboten wird, ein höchst wirksames Instrument, um Darmkrebs rechtzeitig zu erkennen.
Tanja Aebli, pharmaSuisse

Wie wichtig ist der Darm für den Menschen?
Prof. Urs Marbet: Ohne Darm könnten wir nicht leben. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung hat wiederholt mit Beschwerden zu kämpfen, wobei es sich meistens um harmlose Vorfälle handelt, die längst nicht immer einen Arztbesuch erfordern.

Welche Funktionen werden dem Darm zugeschrieben?
Er dient der Verdauung und dem Wasserhaushalt, spielt aber auch immunologisch eine wichtige Rolle. Heute gehen wir davon aus, dass das genetische Reservoir, das die bakterielle Zusammensetzung im Darm bestimmt, für diverse Krankheiten wie das metabolische Syndrom, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder Herzerkrankungen mitverantwortlich ist.

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebsart in der Schweiz, pro Jahr erkranken rund 4100 Personen daran.
Wie gut weiss die Bevölkerung über dieses Risiko Bescheid?

Bei Nichtrauchern und Frauen liegt Darmkrebs punkto Häufigkeit sogar an zweiter Stelle. Heute ist der Informationsstand sicher deutlich besser als noch vor 15 Jahren. Darmkrebs war früher stark tabuisiert, das ist heute weniger der Fall. Aufklärungsarbeit braucht es aber weiterhin.

Sie setzen sich seit Jahrzehnten für die Darmkrebsvorsorge ein. Wieso ist diese Ihres Erachtens vordringlich?
Die Angst vor Krebs ist gross; die Leute fühlen sich dieser Erkrankung ausgeliefert. Doch gerade beim Darmkrebs existieren sehr effiziente und wissenschaftlich akzeptierte Vorsorgemöglichkeiten. Wenn Darmkrebs im Stadium 1 erfasst wird, die Lymphknoten also noch nicht befallen sind, bewegen sich die Heilungschancen bei 95 bis 98 Prozent. Mittels Vorsorge lassen sich selbst Vorstufen erfassen bzw. entfernen.

Welche Vorsorgeuntersuchungen existieren derzeit?
Zur Früherkennung empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit zwei Methoden: die Darmspiegelung und die Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl. Bei der sogenannten Koloskopie – der Spiegelung des ganzen Darms – ist der Nutzen ein zweifacher: Einerseits kann der Darmkrebs früh erfasst werden, andererseits lassen sich im gleichen Zug auch die Polypen, also die Vorstufe zu Krebs, abtragen. Die Untersuchung selber kann mithilfe von Medikamenten einigermassen akzeptabel durchgeführt werden. Nachteile dieser Methode sind die unangenehme Vorbereitung wie auch das Risiko von Komplikationen bei der Abtragung der Vorstufe – kurz: Die Spiegelung deckt nicht alle, aber viele Probleme ab. Mit der Untersuchung auf Blut im Stuhl mittels OC-Sensor, wie er bei der momentanen Darmkrebs-Vorsorgekampagne zum Einsatz gelangt, lassen sich 70 bis 80 Prozent der Darmkrebserkrankungen in einem frühen Stadium erfassen – also bevor Beschwerden auftreten. Dieser Test sollte alle zwei Jahre wiederholt werden.

Welche Untersuchungsmethode ist vorzuziehen?
Für Leute mit erhöhtem Risiko – also einer entsprechenden Darmkrebs-Familiengeschichte, bei massivem Übergewicht, bei Rauchern oder Personen, die bereits Polypen oder einen Krebs hatten – ist eine Koloskopie angezeigt. Bei durchschnittlichem Risiko kann die Darmspiegelung oder der Stuhltest als Vorsorge gewählt werden. Der Stuhltest ist mit einem Aufwand von geschätzten 20 Sekunden ein kleinerer Eingriff in die persönliche Freiheit, bringt aber einen grossen Nutzen. Wichtig scheint mir aber vor allem, dass Personen ber 50 überhaupt eine Untersuchung vornehmen. Viele sind sich des Risikos schlicht zu wenig bewusst.

Welches sind die grössten Risikofaktoren bei Darmkrebs?
Dazu gehört sicherlich das Alter; der Darmkrebs tritt in der Regel bei über 50-Jährigen auf. Ein weiterer Risikofaktor ist die Genetik: Bei Personen aus Familien, in denen sich der Darmkrebs vererbt, kann die Erkrankung schon vor 50 auftreten, die Untersuchungen sind entsprechend früher anzusetzen. Rauchen, massives Übergewicht, das metabolische Syndrom oder zu hoher Alkoholkonsum erhöhen das Risiko ebenfalls. Eine gesunde Ernährung und regelmässige sportliche Betätigung reduzieren es nicht nur, sondern wirken sich auch aus kardiovaskulärer Sicht positiv aus.

Wie sieht das Vorgehen aus, wenn Blut im Stuhl gefunden wird – der Test also positiv ist?
Ein positiver Test ist eine Chance, dass sich eine Vorstufe finden lässt, deren Wachstum verhindert werden kann, oder dass der Darmkrebs in einem frühen, heilbaren Stadium entdeckt wird. Die Mehrheit der positiven Tests sind solche mit Vorstufen und nicht mit einer eigentlichen Krebserkrankung. Bei einem positiven Stuhltest ist immer eine Abklärung mittels Spiegelung erforderlich. Wichtig scheint mir folgender Hinweis: Ein positives Ergebnis ist kein Todesurteil, sondern vielmehr eine Chance zum Weiterleben. Selbst wenn ein Krebs im Rahmen weiterer Untersuchungen entdeckt wird, bewegen sich die Heilungschancen bei 70 Prozent. Manchmal erübrigt sich sogar ein operativer Eingriff, weil der Krebs im Frühstadium bei der Spiegelung gleich entfernt werden kann.

Gibt es Warnsignale, die auf eine Erkrankung hinweisen könnten?
Oft handelt es sich nicht mehr um ein Frühstadium, wenn Beschwerden auftreten. Darmkrebs entsteht schleichend; bis Beschwerden auftreten, kann es Jahre dauern. Deshalb sind Untersuchungen bevor Beschwerden auftreten so wichtig. Symptome können aber Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, unbestimmte Leistungsminderung oder Veränderungen bei den Stuhlgewohnheiten sein.

Für wen macht der Test keinen Sinn?
Prinzipiell sollten sich alle über 50-Jährigen dem Test unterziehen, ausser Personen mit einer schweren Erkrankung, die ihre Lebensqualität so einstufen, dass sie das Darmkrebsrisiko gar nicht evaluieren möchten. Auch eine Lebenserwartung von weniger als zehn Jahren kann für gewisse Patienten ein Anlass sein, davon abzusehen.

Wieso hat der Blut-im-Stuhl-Test nun auch in Apotheken Einzug gehalten?
Wenn die Vorsorge nur via Ärzte stattfindet, erfassen wir lange nicht alle Leute. Die Apotheke erreicht auch Personen, die nicht in Kontakt mit Ärzten stehen, aber genau gleich eine Vorsorge benötigen. Anlässlich der Kampagne soll den Leuten aufgezeigt werden, dass sie dem Darmkrebs nicht ausgeliefert sind. Mit dem Test kann ein jeder selber dazu beitragen, die Erkrankung zu verhindern oder in einem Stadium zu erfassen, in dem sie mit relativ kleinem Aufwand heilbar ist.

Quelle: astreaApotheke, Ausgabe März 2016



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