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Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
Elisabethenstrasse 23
4051 Basel

Fon 061 273 86 71
Fax 061 273 86 73

01.09.2016
«Oft ist weniger mehr!»

Der Polymedikations-Check hilft Menschen, die viele verschiedene Medikamente brauchen, den Überblick zu behalten. Der Apotheker berät rund um Wirkung, Dosierung und Einnahme der Medikamente.
Rahel Rohrer, pharmaSuisse

Für wen ist der Polymedikations-Check (PMC) geeignet?
Dr. Laszlo Petri: Ich spreche Patienten an, die ein gewisses Alter haben und aufgrund ihrer Krankheit oder oft auch mehrerer Krankheiten auf mehr als vier Medikamente angewiesen sind. Zum Beispiel ein Rheumatiker mit hohem Blutdruck, der zusätzlich noch raucht.

Was genau besprechen Sie beim PMC?
Ich erkläre, wofür welches Medikament ist und vermittle weitere medizinische Informationen. Dann besprechen wir die Menge, die Dosierung und den Einnahmezeitpunkt der verschiedenen Medikamente. Eine Tablette oder zwei, 400 oder 600 Milligramm, morgens, mittags oder abends, vor oder nach dem Essen … das spielt alles eine Rolle. Es gibt sogar Medikamente, die besser stehend eingenommen werden.

Was bringt der PMC?
Oft erlebe ich, dass die Therapietreue steigt, wenn der Patient weiss, wofür er was einnimmt: Wenn man seine Beschwerden und die Medikamentenwirkung versteht, geht es einfacher, und man hält sich besser an den «Fahrplan». Die sogenannte Compliance, also die Therapietreue, ist ausschlaggebend für den Erfolg einer Therapie. Zudem erkennt der Apotheker, wenn verschiedene Medikamente einen ungünstigen Einfluss aufeinander haben, Stichwort Wechselwirkungen. Ichgebe auch Tipps, wenn zum Beispiel eine Tablette zum Schlucken zu gross ist, indem ich eine andere Darreichungsform empfehle.

Muss ich nach dem PMC noch mehr Medikamente einnehmen?
(Lacht) Nein, im Gegenteil! Ichhabe die Erfahrung gemacht, dass weniger oft mehr ist. Vielfach hat der Patient Rezepte von verschiedenen Ärzten für verschiedene Beschwerden, manchmal sogar für abgeklungene. Der PMC bietet die Chance, auszumisten und zu vereinfachen. Schon nur ein einfaches «Plänli» gibt mehr Sicherheit. Sehr nützlich ist oft auch das Wochendosiersystem, mitdem der Patient weiss, wann er was nehmen muss. Zudem können wir die Medikamente individuell und pro Einnahmezeitpunkt verblistern lassen, was die Sicherheit noch mehr erhöht. So passieren viel weniger Fehler.

Kontrollieren Sie die Ärzte?
Nein, darum geht es nicht. Ich selber arbeite Hand in Hand mit vielen Ärzten zusammen. Und sie mit mir. Aufgrund unseres Studiums und der steten Weiterbildung sind aber punkto Arzneimittelwissen wir Apotheker die unumstrittenen Profis.

Wo findet der PMC statt, und wie viel kostet er?
Die Beratung führe ich in einem separaten Beratungsraum in der Apotheke durch. Angedacht ist, dass die Beratung 15 bis 25 Minuten dauert. Ich nehme mir auch gerne mehr Zeit. Es ist meine Mission, die Leute «aufzuklären». Der PMC wird von der Krankenversicherung zweimal jährlich übernommen, er kostet 48.60 Franken (ohne Dosiersystem).

Ist eine Voranmeldung nötig, und was nimmt man mit?
Es ist möglich, einen Termin zu vereinbaren, das ist aber nicht zwingend nötig. Jede Apothekerin und jeder Apotheker kann eine PMC-Beratung durchführen. Wichtig ist, dass der Patient all seine Medikamente mitnimmt – möglichst in der Originalverpackung.

Ihr Tipp zum Schluss?
Der PMC kann auch sehr beruhigend sein für Kinder, die sicherstellen möchten, dass ihre betagten Eltern die Medikamente im Griff haben.


Dr. Laszlo Petri
Der gebürtige Ungar wuchs in der Schweiz auf. Nach dem Pharmazie- studium eignete er sich ein grosses Wissen über Anti- biotikaresistenz im Universitätsspital Insel in Bern an. Seit 32 Jahren arbeitet Petri als Apotheker, seit 25 Jahren leitet er die Neue Apotheke Muri zusammen mit seiner Frau Sandra Petri, ebenfalls Apothekerin. Der Vater von vier Kindern ist 67-jährig, sieht aber aus, als hätte er Jahrgang 1967.



Quelle: astreaApotheke, Ausgabe September 2016



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