Zur Startseite
startseite | nofalldienste | geschäftsstelle | sitemap | impressum
 
 
   

Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
Elisabethenstrasse 23
4051 Basel

Fon 061 273 86 71

02.10.2017
«Wechseljahre: Übergang und Neustart»

Der Begriff Wechseljahre klingt unsexy und löst bei vielen Frauen und Männern mittleren Alters Unbehagen aus. Der «Wechsel» beeinflusst nicht allein den Körper, sondern auch die psychische Befindlichkeit.
Meta Zweifel

Wechseljahre – da denkt man doch gleich an Hitzewallungen, Schweissausbrüche und Stimmungstiefs. Das allmähliche Nachlassen der Produktion von Östrogen und Progesteron im weiblichen Körper kann tatsächlich mit Unannehmlichkeiten verbunden sein. Aber abgesehen davon, dass viele Frauen ihre Wechselphase beschwerdefrei als naturgegebene Übergangszeit erleben: Die «Abänderung» hat ihr einstiges Horrorimage abgelegt. Medizin und Hormonforschung haben Fortschritte gemacht und das Klimakterium ist kein Tabuthema mehr. Frauen informieren sich und lassen sich beim Arzt oder in der Apotheke beraten. Das Angebot an erprobten Hilfsund Heilmitteln auf pflanzlicher Basis ist ausgesprochen gross – man denke etwa an Präparate mit Traubensilberkerze (Cimicifuga), die Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Verstimmungszustände lindern können, oder an solche mit Salbei, welche vor allem die Schweisssekretion regulieren ... der Frau kann also geholfen werden.

GefĂĽhlschaos sortieren
Schwierig wird die Situation, wenn die Gefühle einer Wechseljahre-Frau Achterbahn fahren, wenn sie ständig gereizt ist oder eine depressive Verstimmtheit überhandnimmt. Aber auch diese Irritationen müssen nicht einfach erduldet werden: Man soll sie wahrnehmen, ihnen auf den Grund gehen und dann mit geeigneten Mitteln, wie zum Beispiel einer Kombination aus Traubensilberkerze und Johanniskraut, therapieren. Die Wechseljahre, soviel steht fest, sind nicht der Anfang vom Ende, sondern Durchgang zu einem neuen Lebensabschnitt. Sie verhelfen vielleicht zu veränderten Denk- und Sichtweisen, zu reiferen Formen der Attraktivität und zu neuen Möglichkeiten der Lebensgestaltung. Wie bei anderen wichtigen Lebensübergängen müssen zuweilen auch in der Wechseljahrphase Ängste und Unsicherheiten überwunden werden.
Auf jeden Fall ist bedenkenswert, was die amerikanische Gynäkologin Dr. Christiane Northrup den Frauen schon vor 20 Jahren bewusst gemacht hat: «Manchmal liegt es nicht an den Hormonen – manchmal ist es Ihr Leben, das ‹Medizin› braucht.» Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen haben oft nicht primär mit hormonellen Veränderungen zu tun. Der Wechsel kommt sozusagen im Doppelpack: Die Frau hat mit sich zu kämpfen und womöglich ziehen zeitgleich auch noch die erwachsenen Kinder weg. Dann ist sie plötzlich mit dem Partner allein zu zweit. Oder vielleicht brauchen Eltern oder Schwiegereltern unerwartet Beistand – zu viel ist einfach zu viel. Auch Single-Wechseljahre-Frauen leiden oft nicht in erster Linie unter Wallungen, sondern vielleicht unter den Mobbing-Attacken junger Kolleginnen, unter Verlustängsten und anderen Problemen.
Eine Wechseljahre-Frau ist zwar nicht mehr jung, aber noch lange nicht alt. Fragen wie «Wo stehe ich und wo will ich hin?» oder «Was ist mir wichtig und was brauche ich nicht mehr?» helfen mit, die psychische Stabilität aufzubauen und Lebenschancen wahrzunehmen.

Und was ist mit dem Wechseljahre-Mann los?
Seit einiger Zeit ist vermehrt vom Klimakterium des Mannes die Rede. Der Begriff «Wechseljahre» lässt sich aber nicht ohne weiteres bei beiden Geschlechtern anwenden. Fakt ist, dass alle Männer ungefähr ab Alter 40 einen Abfall der Hormonwerte erleben, dessen Verlauf ist allerdings individuell. So ist der Hormonspiegel etwa bei einem Drittel der 70-Jährigen zu tief, bei zwei Dritteln jedoch immer noch ausreichend. Dies stellt Dr. med. Christian Sigg fest, der in Zürich eine Männerarztpraxis führt.

Herr Dr. Sigg, gehen mit dem Hormonabbau beim Mann auch Verlusterlebnisse einher?
Dr. med. Christian Sigg: Ja, dazu gehören etwa Haarausfall und Muskelabbau. Auch die Knochen sind ein Problem, Osteoporose ist kein ausschliesslich weibliches Krankheitsbild. Zu den Beschwerdebildern gehört überdies eine vermehrte Tendenz zu Diabetes-Typ-II. Deutlich ausgeprägt ist in diesem Fall das Viszeralfett, der Altmännerbauch. In Frankreich nennt man die Kombination von dünnen, muskelarmen Männerbeinen und dickem Bauch «Marron sur des allumettes», eine Kastanie auf Zündhölzchen.

Versteckt sich hinter den zahlreichen Männerwitzen zum Thema Erektionsstörungen eine gewisse Angst?
Selbstverständlich, vor allem bei Männern der älteren Generation. Es geht um Unsicherheit und gleichzeitig um die Gewissheit, dass bestimmte Funktionen abnehmen.

Männer haben vermutlich keine Hitzewallungen?
Doch, Schweissausbrüche und Hitzewallungen gehören auch zum männlichen «Wechsel», nur treten sie nicht so deutlich auf wie bei einer Frau, deren Gesicht bei einer Wallung womöglich glutrot anläuft.

Können hormonelle Veränderungen beim Mann Stimmungsschwankungen auslösen?
Der Mangel des Hormons Testosteron löst beim Mann eine Dysthymie aus, eine depressive Verstimmung. Er fühlt sich nicht mehr gut und seine Belastungsfähigkeit nimmt eindeutig ab. Zu beachten ist dabei allerdings, dass die grosse Lebenskrise bei den Männern meist bereits zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr auftritt – in einer Phase also, in der die Hormone noch im Gleichgewicht sind. Depressive Verstimmungen entwickeln sich hingegen erst wesentlich später: Der Mann wird weinerlich, übellaunig und grantig und reklamiert wegen jeder Kleinigkeit, sein Durchsetzungsvermögen und seine Belastbarkeit nehmen ab.

Und was ist mit jenen Männern, die zwischen 50 und 70 als Manager oder Politiker zur Hochform auflaufen?
Männer, die in diesem Alter Spitzenpositionen einnehmen, hatten wahrscheinlich immer schon hohe Testosteronwerte und haben sich auch immer schon nach vorn gedrängt. Diese Verhaltensweise ist ihnen zur zweiten Natur geworden.

Entspricht das Bild vom Mann, der in seinen reiferen Jahren so etwas wie eine zweite Jugend erleben möchte, der Realität oder eher einem Klischee?
Das ist kein Klischee. Das altersgeschwächte Ego eines Mannes kann schon aufblühen, wenn er sich mit einer Partnerin zusammentut, die 30 Jahre jünger ist als er. Manche Männer haben den Eindruck, mit einer jungen Frau an ihrer Seite blieben sie selber auch jung. Meistens realisieren sie ziemlich bald, dass diese Gleichung nicht aufgeht und dass die junge Frau Ansprüche stellt, denen sie nicht mehr gerecht werden können.

Interessieren sich Männer heute bewusster als noch vor Jahren für die Lebensphase zwischen Lebensmitte und Alter und suchen sie Beratung und Hilfe, wenn medizinische Probleme auftreten?
Der Fitness-Hype hat erfreulicherweise dazu beigetragen, dass Sport und Gesundheitspflege in dieser Lebensphase eine grössere Rolle spielen als früher. Dass heute Männer von sich aus den Facharzt aufsuchen, über ihre Probleme und Beschwerden sprechen und sich untersuchen lassen wollen, ist aber meines Erachtens nicht das Verdienst der Medizin. Es sind die Medien, die in diesem Fall in den letzten zehn Jahren einen guten Job gemacht und Veränderungen angestossen haben.

Gesunder Lebensstil gegen Wechseljahrbeschwerden bei Frauen

  • Gewichtsmanagement: Nach der letzten Monatsblutung kann sich der Kalorienumsatz um zwanzig Prozent reduzieren. Um vermehrte Fettpölsterchen zu vermeiden, sollte man auf eine ausgeglichene Kalorienbilanz achten, indem man weniger isst oder sich mehr bewegt.
  • Regelmässige Bewegung: Empfehlenswert sind im Allgemeinen dreieinhalb Stunden pro Woche. Dreissig Minuten pro Tag können also schon viel bewirken. Auch körperlich fordernde Haus- oder Gartenarbeit darf ĂĽbrigens mitgerechnet werden.
  • Mässiger Genuss von Alkohol, Kaffee und scharf gewĂĽrzten Speisen: Hitzewallungen und SchweissausbrĂĽche sind sonst vorprogrammiert.
  • Rauchen reduzieren: Nikotin steht unter Verdacht, dass es den Ă–strogenspiegel zusätzlich durcheinanderbringt.
  • Stress meiden: EntspannungsĂĽbungen wie Yoga, Qigong oder die Muskelentspannung nach Jacobson helfen, die innere Unruhe abzubauen.
  • Soziale Kontakte pflegen: Ein Austausch mit Gleichgesinnten ist meist nicht nur informativ, sondern bringt auch die nötige Portion Humor ins Spiel.



Übersicht aller aktuellen Einträge
Zurück zur Homepage